Straubinger Tagblatt – 12.10.2006

Einige der Deckenmalereien stellen Ordensgelehrte der Karmeliten dar.

Kulturpreis der Sparkassenstiftung für Fresken im Karmelitenkloster

Nach 200 Jahren ans Tageslicht holen

Bibliothek soll nach der Restaurierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden

Begeistert und erstaunt reckten kommunale Politiker, Sparkassenvertreter und Gäste ihre Köpfe nach oben, um die Decke der Karmeliten-Bibliothek genau zu betrachten. Währenddessen erklärte Stadtheimatpfleger Alfons Huber Details zu den einzelnen Fresken und den aufwändigen Stuckverzierungen der Decke: "Für einen Bettelorden ist diese Ausgestaltung sehr ungewöhnlich. Sie ist auch einzigartig in Deutschland." Die seit dem 19. Jahrhundert überweißten Kunstwerke wieder freizulegen sei äußerst schwierig, deshalb komme die Restauration auch bedeutend teurer als angenommen. Umso glücklicher nahm Pater Prior Elias Steffen den Kulturpreis 2006 der Sparkassenstiftung in Höhe von 5000 Euro in Empfang: "Es ist schön, dass Sie sich nicht nur für unsere Fresken interessieren, sondern sie auch unterstützen."

Die Freilegung der Fresken zeige, was Menschen schaffen können, auf der anderen Seite aber auch, was sie zerstören, erinnert Pater Elias Steffen. Auch heute werde noch viel durch Kriege in der Welt zerstört und könne nur mit Mühe wieder aufgebaut werden. Wunderschönes Kulturgut erhalten und es ins Bewusstsein zurückzurufen, indem die Bibliothek nach der Fertigstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, sei ein Ziel der Karmeliten. Umso mehr freue er sich, dass das Unternehmen auch von der Sparkassenstiftung bezuschusst werde, stellte Pater Elias Steffen am Donnerstagabend bei der Kulturpreisvergabe heraus.
Gerne übergebe er dieses Jahr den auf 5000 Euro dotierten Kulturpreis an das Karmelitenkloster, um die Freilegung der Deckengemälde in der Bibliothek ein kleines Stückchen weiter zu ermöglichen, betonte Sparkassen-Chef Karl Bauer: "Nicht nur das Kloster, sondern die ganze Stadt bekommt ein einzigartiges Kunstwerk zurück."

Kultur der Heimat Pater Georg Bertram sei es gewesen, der erstmals im Jahr 2004 in seiner damaligen Funktion als Prior an die Sparkassenstiftung herangetreten ist und um finanzielle Unterstützung gebeten habe. Denn die zunächst auf rund 200000 Euro geschätzten Kosten für das Vorhaben seien bereits auf über 300000 gestiegen. Der Stiftungsvorstand hat das Geld für dieses Vorhaben einstimmig befürwortet. Bauer unterstreicht dabei noch einmal die Intention des Preises, den es seit 1985 gibt: "Wir fühlen uns der Kultur unserer Heimat verbunden." Rund 105000 Euro habe man seither für verschiedene Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Darunter fielen unter anderem der Ankauf von Kunstwerken ortsansässiger Künstler, der Erwerb von Exponaten, die kunstgeschichtlich, museal oder lokalgeschichtlich von besonderer Bedeutung sind, die Förderung von Bau- oder Restaurierungsmaßnahmen an Kunstdenkmälern, die Unterstützung denkmalpflegerischer Maßnahmen, die Förderung von Ausstellungen zu besonderen ortsbezogenen Themen und die Auszeichnung für außergewöhnliches kulturelles Wirken.

Ein Buch im Vatikan

Auch Oberbürgermeister Reinhold Perlak stellte heraus, dass sowohl der Kulturausschuss, der die Restaurierung bereits mit 13600 Euro unterstützte, als auch der Stiftungsvorstand das Bestreben des Klosters würdigen, diese außergewöhnlichen Fresken der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Beim Neubau im Jahre 1684 erhielt das Kloster aufgrund seines großen
Bestandes eine eigene Bibliothek mit Tonnengewölbe, weiß Stadtheimatpfleger Alfons Huber. Neben zahlreichen Stuckverzierungen, die der Saal 1706 erhielt, wurde er anschließend von Melchior Steidl mit Seccomalerei ausstaffiert. Im Zuge der Säkularisation wurden die Fresken 1806 einfach überweißt.

"Wir haben keine Ahnung"

"Während Bettelorden normalerweise nur rund 5000 Bücher besitzen, hatten die Karmeliten damals etwa das Dreifache an Bänden," erklärt Huber. Die Schätze der historischen Bibliothek, darunter religiöse, medizinische und geographische Bücher seien sehr wertvoll: "Eines ist momentan in Paris, und ein anderes liegt sogar im Vatikan." Die Situation des Straubinger Bettelordens sei damals aber auch ein wenig anders als bei anderen gewesen: "Es war das Hauskloster der Wittelsbacher und dadurch nicht schlecht gestellt." Es gebe nur einen Brief, der die Fresken grob beschreibt, aber keine Bilder. Deshalb sei man besonders gespannt, was täglich bei der aufwendigen Freilegung zum Vorschein kommt: "In den vier Wangen des Gewölbes sind bereits Ordensgelehrte aufgetaucht, die jeweils eine Wissenschaft personifizieren." In den Stichkappen seien die Geographie, die Philosophie, die Astronomie und die Medizin veranschaulicht. Was sich aber in der Kartusche in der Mitte und in den Scheitelfresken offenbaren wird, "davon haben wir keine Ahnung." Und gerade das sei besonders interessant, verrät Pater Elias. Denn man kann bereits erahnen, dass Karmelitenpatres mit Büchern in der Hand auf etwas zugehen: "Aber auf was ?“ -jul-


Oberbürgermeister Reinhold Perlak (2.v.l.), Karl Bauer,
Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Straubing-Bogen (3.v.l.), und Mitglieder
des Kulturausschusses sowie des Stiftungsausschusses überreichten den
Karmelitenpatres Georg Bertram (Mitte) und Pater Prior Elias Steffen
(3.v.r.) den Sparkassen-Kulturpreis zur Unterstützung der Freilegung und



Renovierung der Fresken in der Bibliothek. -



Mit Spannung betrachten Stadtheimatpfleger Alfons Huber und Pater Elias Steffen
jeden freigelegten Zentimeter der Fresken.