Straubinger Tagblatt – 26.4.2006
"Christsein in der modernen Welt"
Hochkarätige ökumenische Vortragsreihe im Karmelitenkloster
- Eintritt ist frei
Salvator-Bruderschaft lädt ein
Besser hätte die Vortragsreihe "Christsein in der modernen
Welt" gar nicht platziert werden können. Denn im Mai läuft
auch Dan Browns "Da Vinci Code" in den Kinos an. Die Vortragsreihe
der Straubinger Salvator-Bruderschaft ist dazu eine willkommene
Gegenveranstaltung: Denn sie will mit ihren hochkarätigen Rednern
zeigen, dass der alternative Lebensstil des Christen vernünftig
und lebenswert ist. Außerdem versteht sie sich als Vorbereitung
auf das Bruderschaftshauptfest mit Erzbischof em. Karl Braun am
28. Mai in Straubing und den Papstbesuch im September. Die Referenten
werden zeigen, dass das Christentum weder leib- und lustfeindlich,
noch gegen die Naturwissenschaften oder gegen die Vernunft ist.
Aber, wer oder was ist die Salvatorbruderschaft? Vor über 800
Jahren von Priestern gegründet, ist sie wohl die älteste
noch bestehende Bruderschaft des deutschen Sprachraumes. Sie hat
ihren Sitz an der Veitskirche/Steinergasse und versteht sich als
aktive Gebetsgemeinschaft von Frauen und Männern. Nur durch
ihr großzügiges Sponsoring können alle Vorträge
ohne Eintritt angeboten werden - auch wenn Spenden natürlich
willkommen sind.
"Kirche und Sex"
Gleich im ersten Vortrag am Dienstag, 2. Mai, wird ein heißes
Eisen angefasst: Die Bestsellerautorin ("Ausbruch zur Liebe")
Gabriele Kuby wird über das Thema Sexualität und Kirche
sprechen. Die Ex-68erin und Mutter von drei Kindern ist selbst erst
auf Umwegen zur Kirche zurückgekehrt und kennt daher auch beide
Seiten. Ihre Seminare zu "Sexualität und Lebensglück"
erfreuen sich gerade unter den jungen Erwachsenen großer Beliebtheit.
Papst Benedikt XVI. hat ihr kritisches Engagement mehrmals und eindringlich
gewürdigt.
Physikstar Harald Lesch
Besonders gefreut hat es die Bruderschaft, dass der berühmte
Physiker Harald Lesch von der TU München sein Kommen für
den 9. Mai zugesagt hat. Immer wieder hält er auch mit den
Theologen zusammen Seminare oder Vorlesungsreihen. Der Star aus
"Alpha Centauri" auf Bayern Alpha, dessen Bücher
längst Kultstatus erreicht haben, ist, was die wenigsten wissen,
auch gläubiger Protestant. Er wird in seiner unkompliziert
erfrischenden Weise allgemein verständlich darlegen, ob die
moderne Physik dem christlichen Glauben widerspricht oder nicht.
Hilft die Quantenphysik vielleicht sogar, den Glauben zu erklären?
Auch wer in der Schulzeit Physik nicht zu seinen Stärken gezählt
hat oder gar nichts von ihr weiß - Harald Lesch erklärt
die kompliziertesten Zusammenhänge in einfacher Sprache. Deshalb
hat ihn die Deutsche Forschungsgemeinschaft auch mit dem "Communicator-Preis"
für die exzellente Vermittlung der Wissenschaft an Nichtwissenschaftler
geehrt.
Am 16. Mai steht das Thema Frau in Kirche und Beruf als Plädoyer
für einen "neuen" Feminismus im Mittelpunkt. Auch
Consuelo Gräfin Ballestrem ist keine Unbekannte. In ihrem weit
verbreiteten Buch "Familie contra Beruf?" zeigt die engagierte
Mutter und berufstätige Therapeutin, dass beides zu managen
ist. Freilich nur, wenn die Prioritäten stimmen - und vor allem
der Partner. Daneben wird sie auch kritisch nachfragen, wie die
Rolle der Frau in der Kirche der Zukunft zu gestalten ist und damit
einer Anregung des Papstes nachgehen, der im März angekündigt
hat, mehr Leitungsämter für Frauen in der Kirche zugänglich
zu machen.
Gott und das Leid
Wie bereits 2005 kommt der Münchner Fundamentaltheologe Armin
Kreiner auch heuer nach Straubing, dieses Mal um am 23. Mai über
sein "Meisterthema" zu sprechen: "Gott und das Leid".
Seine beiden Bücher über dieses Thema - auch in andere
Sprachen übersetzt - haben in mehreren Auflagen die deutschsprachige
Theologie aufgerüttelt. Vor allem die politische Theologie
von Johann B. Metz hat Kreiner durch seine Äußerungen
auf "die Palme" gebracht. Er stellt seine heiß umstrittenen
Thesen, wieso und warum ein guter Gott Leid und Böses in der
Welt zulassen kann, vor.
Wie stark ist der Atheismus?
Der anglikanische Philosoph Daniel von Wachter, ein Mittdreißiger,
zählt zu den aufgehenden Sternen am Firmament der deutschsprachigen
Religionsphilosophie und Theologie. Selber ein Schüler des
wohl bedeutendsten lebenden christlichen Philosophen, Richard Swinburne,
wird er am 30. Mai in anschaulicher Weise untersuchen, wie stark
die Argumente des Atheismus wirklich sind - und auf der anderen
Seite wie stark die Argumente für die Existenz eines (christlichen)
Gottes sind.
Durch die Veranstaltungen führen der Historiker Prof. (Univ.
Marquette) Ulrich Lehner und Bruderschaftsdekan Georg Birner. Veranstaltungsort
ist das Straubinger Karmelitenkloster. Eingang über die Pforte/Albrechtsgasse.
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