16. Oktober 2003 - Straubinger Tagblatt

Nach 30 Jahren ist eine neue Goldschicht fällig

Sanierung der Kirche liegt im Zeitplan - Insgesamt rechnet man mit Kosten in Höhe von 280 000 Euro
Das Turm-Kreuz der Karmelitenkirche wurde gestern abmontiert Schöner hätte man es nicht planen können: Als der Kran endlich das Kreuz vom Turm der Karmelitenkirche hob, war es Punkt zwölf Uhr und die Kirchturmuhr schlug laut und mächtig. Bis der letzte Ton verklungen war, lag das Kreuz bereits am Boden. Aus der Nähe wurde deutlich, wie sehr der Zahn der Zeit während der vergangenen 30 Jahre an dem kunstvoll geschwungenen Metall genagt hat. Jetzt wird das Kreuz zu einem Kirchenmaler transportiert, der es restauriert und neu vergoldet.
Um 7 Uhr rückten am Dienstagmorgen zwei Völkl-Kräne an und nahmen den Turm der Karmelitenkirche ins Visier. Jetzt war Fingerspitzengefühl gefragt, um die riesigen Fahrzeuge millimetergenau in der schmalen Albrechtsgasse zu postieren. Laut Zeitplan sollten das Kreuz und die darunter liegende Kugel gegen 10 Uhr abmontiert werden. Architekt Hans Süß, Pater Prior Georg Bertram sowie Pater Theo und Pater Engelmar beobachteten gespannt jede Bewegung der Kräne. Ihre erwartungsvollen Blicke Richtung Himmel machten auch viele Passanten neugierig. Wer tatsächlich beobachten wollte, wie das Kreuz zu Boden schwebt, musste allerdings etwas Geduld mitbringen. Denn erst zwei Stunden später kam Bewegung in die Szenerie.
Gemächlich schoben sich die Kräne nach oben, um die 74 Meter hohe Spitze des Kreuzes zu fassen zu bekommen. An einem Kran war ein großer Haken zu sehen, am anderen war ein Transport-Korb fest gezurrt, in dem sich neben zwei Facharbeitern auch Architekt Hans Süß und Pater Engelmar in luftige Höhen wagten. Schnell war ein Gurt am Kreuz befestigt und der Haken dort eingeklinkt. Ein kurzer Ruck und das Kreuz baumelte in der Luft.
"Leider ist die Kugel so fest ans Dach geschweißt, dass wir sie nicht mit herunter nehmen konnten", erklärte Hans Süß, als er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Also wird ein Kirchenrestaurator die Kugel vom Kran aus sanieren müssen. "Das dauert circa zwei Tage", schätzt Pater Theo. Die Restaurierung des Kreuzes wird etwa drei Wochen in Anspruch nehmen. Im Anschluss daran kann es wieder am Turm befestigt werden.
Anfang der siebziger Jahre wurde der Turm der Karmelitenkirche zum letzten Mal saniert. "Ursprünglich wollten wir das Kreuz gar nicht reparieren lassen", schilderte Prior Georg Bertram. Doch im Zuge der Arbeiten an der Kirchenfassade sei auch der schlechte Zustand des Kreuzes deutlich geworden.
Ein Gerüst, das bis an die Spitze des Turmes reicht, wäre sehr teuer gekommen. Deshalb entschied man sich, das Kreuz mit dem Kran abzunehmen. Das ist immer noch billiger als ein Stahlgerüst. Auch der Einsatz eines Hubschraubers wäre eine Möglichkeit gewesen. Doch aufgrund der engen Bebauung rund um die Kirche hätte es dafür keine Genehmigung gegeben.
Insgesamt sind die Karmeliten-Patres sehr zufrieden mit dem Verlauf der Sanierungsarbeiten. "Wir liegen gut im Zeitplan", so Prior Georg Bertram. Bis Mitte November könnten die Arbeiten beendet sein. Pater Theo, der sich um die Finanzplanung kümmert, erklärte, dass 280 000 Euro für die Maßnahme veranschlagt worden seien. Zwar fließen Fördergelder aus verschiedenen Töpfen, doch rund 60 bis 70 Prozent muss der Orden selbst tragen.
Auch für Architekt Süß läuft alles nach Plan. "Das Wetter hat bestens mitgespielt", freut er sich. "Die Karmeliten haben halt einen guten Draht nach oben?" - ola -